

Autor: Max Prügner, Webdesigner seit 2017
Spezialist für moderne Websites für kleine und mittelständische Unternehmen · Über 400 Websites erstellt · mehr als 300 Kunden in Betreuung
Eine WordPress-Website ist nicht automatisch barrierefrei. Der WordPress-Kern selbst ist weitgehend barrierefrei, Theme, Page-Builder und Inhalte entscheiden über die fertige Website. Barrierefreiheit ist seit dem 28. Juni 2025 Pflicht für Unternehmen, die online Verträge mit Verbrauchern schließen und kein Kleinstunternehmen sind. Die Nachrüstung einer kleinen Firmenwebsite kostet bei MP-Webdesign 500 bis 1.000 Euro. Von rund 300 Betrieben, die seit dem Frühjahr 2025 wegen des BFSG bei MP-Webdesign angefragt haben, waren etwa 200 gar nicht verpflichtet.
Das Wichtigste im Überblick
- Der WordPress-Kern strebt die WCAG 2.2 AA an. Ob die fertige Website barrierefrei ist, entscheiden Theme, Page-Builder und Inhalte.
- Pflicht seit dem 28. Juni 2025 nur, wenn Verbraucher online kaufen, buchen oder Verträge schließen können. Kleinstunternehmen sind ausgenommen.
- Von rund 300 Anfragen bei MP-Webdesign waren etwa 200 Betriebe gar nicht verpflichtet.
- Die häufigste Barriere sind Bilder ohne Alternativtext, bei 24 bis 27 von 30 nachgerüsteten Websites.
- Die Nachrüstung einer kleinen Firmenwebsite kostet 500 bis 1.000 Euro und dauert etwa eine Woche. Ein Overlay-Plugin ersetzt sie nicht.
Ist WordPress barrierefrei, und was heißt das konkret?
WordPress selbst, also der Adminbereich und die mitgelieferten Themes, strebt die WCAG 2.2 (Web Content Accessibility Guidelines) auf Stufe AA an. Eine mit WordPress gebaute Website ist damit noch nicht barrierefrei, weil Theme, Page-Builder, Plugins und Inhalte den größten Teil ausmachen.
Eine barrierefreie Website ist eine Website, die für Menschen ohne Maus, ohne Farbsehen und ohne Bildschirm zugänglich und bedienbar ist. Das heißt ganz konkret: Kontrast mindestens 4,5:1, alles per Tastatur bedienbar, jedes Bild mit Alternativtext, jede Seite mit sauberer Überschriften-Struktur.
Für das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt über die europäische Norm EN 301 549 die WCAG 2.1 auf Stufe AA. Der WordPress-Kern orientiert sich schon an der neueren Version 2.2. Die BITV 2.0 gilt für Behörden, nicht für Unternehmen.
Das WordPress-Projekt sagt es selbst ziemlich ehrlich: Der Kern wird geprüft, für Themes kann niemand garantieren. Nur die Themes mit dem Schlagwort „accessibility-ready“ hat das Theme-Review-Team durchgesehen. Alles, was Sie danach einbauen, liegt bei Ihnen. Das steht so auf de.wordpress.org/about/accessibility.
Die WCAG fasst das Ganze in vier Prinzipien zusammen. Wahrnehmbar heißt, dass jede Information auch ohne Augen oder ohne Ohren ankommt, also z.B. als Alternativtext oder Untertitel. Bedienbar heißt, dass alles ohne Maus funktioniert und nichts blinkt, was jemanden gefährdet. Verständlich heißt, dass Texte lesbar sind und Formulare sagen, was sie wollen. Robust heißt, dass der Quellcode so sauber ist, dass ein Screenreader ihn vorlesen kann.
Klingt erst mal nach viel. In der Praxis sind es bei einer kleinen Firmenwebsite aber fast immer dieselben fünf oder sechs Baustellen. Welche das sind, steht im Abschnitt zu den häufigsten Barrieren.
Wann ist eine barrierefreie WordPress-Website Pflicht?
Pflicht ist sie seit dem 28. Juni 2025 nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, wenn Sie Verbrauchern online Verträge, Buchungen oder Bestellungen anbieten. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Pflichtig ist also, wer mindestens 10 Beschäftigte hat oder mit Umsatz und Bilanzsumme über 2 Millionen Euro liegt.
Das Gesetz spricht von „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“. Übersetzt heißt das: Kann ein Verbraucher auf Ihrer Website etwas kaufen, buchen oder einen Vertrag abschließen? Dann sind Sie drin, sofern Sie kein Kleinstunternehmen sind. Steht da nur, wer Sie sind und was Sie machen, mit Telefonnummer und Adresse, dann nicht.
| Ihre Website | BFSG-Pflicht? |
|---|---|
| Onlineshop, Betrieb mit 10 oder mehr Beschäftigten | Ja. |
| Onlineshop, Kleinstunternehmen unter 10 Beschäftigten und bis 2 Millionen Euro | Nein, die Ausnahme gilt für Dienstleistungen, und der Shop ist eine. Stellen Sie selbst Produkte her, die das Gesetz in seiner Liste nennt (z.B. Computer, Router, E-Book-Reader), muss das Produkt barrierefrei sein, nicht die Website. |
| Imageseite ohne Formular, nur Leistungen und Kontaktdaten | Nein. |
| Imageseite mit Anfrageformular | Grauzone. Ein reines Kontaktformular ist nach den Leitlinien des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kein Vertragsabschluss. Sobald daraus eine verbindliche Buchung wird, kippt es. |
| Online-Terminbuchung, z.B. Praxis, Friseur, Werkstatt | Ja, wenn Sie über der Kleinstunternehmer-Schwelle liegen. Die Buchung ist ein Vertrag. |
| Reines B2B, Kunden sind ausschließlich Unternehmen | Nein. Das Gesetz schützt Verbraucher. |
Die Ausnahme für Kleinstunternehmen gilt für Dienstleistungen, also auch für den Onlineshop als Dienstleistung. Für Produkte gilt sie nicht. Wer Produkte herstellt, die das Gesetz in seiner Liste nennt, muss auch als kleiner Betrieb barrierefreie Produkte liefern. Wer solche Produkte nur verkauft, hat als Händler Prüfpflichten, aber die Website selbst bleibt ausgenommen. Für die meisten Handwerker, Praxen und Dienstleister mit einer normalen Firmenwebsite ist das sowieso kein Thema.
Bei uns sieht das in Zahlen so aus: Seit dem Frühjahr 2025 haben rund 300 Betriebe wegen des BFSG bei uns angefragt, die meisten davon keine Bestandskunden. Nach dem Erstgespräch waren etwa 100 davon tatsächlich verpflichtet. Die anderen 200 hatten eine Imageseite ohne Buchung, waren Kleinstunternehmen oder arbeiten nur mit Firmenkunden. Denen haben wir gesagt: Sie müssen nichts machen. Manche haben trotzdem nachgerüstet, weil sie es wollten. Aber müssen mussten sie nicht.
Ich sage das so deutlich, weil in dem Feld gerade viel Angst verkauft wird. Da ruft jemand an und sagt: hey, ich habe gelesen, ab Juni muss jede Website barrierefrei sein, sonst gibt es Abmahnungen. Wer Ihnen das erzählt, hat das Gesetz in der Regel nicht bis zur Ausnahme gelesen. Ich meine, woher sollen Sie das auch wissen. Sie haben einen Betrieb zu führen und lesen nicht abends Gesetzestexte.
Wenn Sie verpflichtet sind und nichts tun, dann prüft die Marktüberwachungsbehörde Ihres Bundeslands. Die kann anordnen, dass Sie nachbessern, und Bußgelder bis zu 100.000 Euro verhängen (§ 37 BFSG). Verbände dürfen Verstöße melden. Uns ist bis heute kein Bußgeld gegen eine kleine Firmenwebsite bekannt. Das heißt aber nicht, dass es so bleibt.
Dieser Beitrag ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für Ihren Betrieb gilt, klären Sie im Zweifel mit einem Rechtsbeistand oder Ihrer IHK. Den Gesetzestext mit der Definition des Kleinstunternehmens finden Sie in § 2 BFSG.
Was kostet es, WordPress barrierefrei zu machen?
Die Nachrüstung einer kleinen Firmenwebsite mit 10 bis 20 Unterseiten und Kontaktformular kostet bei MP-Webdesign 500 bis 1.000 Euro und dauert etwa eine Woche, Erklärung zur Barrierefreiheit inklusive. Mit Shop oder Buchungsstrecke liegt sie über 2.000 Euro.
Wir nennen die Zahlen so offen, weil in dem Feld meist ganz andere kursieren. Wer nach Kosten sucht, findet Beträge, die sich auf große Auftritte und Shops beziehen oder eben nur die Analyse abdecken.
| Wer | Was die Zahl abdeckt | Betrag |
|---|---|---|
| Aktion Mensch | nur die erste grobe Analyse | 600 bis 1.200 Euro |
| e-recht24 | nur die grobe Analyse | 500 bis 1.500 Euro |
| e-recht24 | ausführliche Analyse | 2.500 bis 10.000 Euro |
| MP-Webdesign | die komplette Nachrüstung einer kleinen Firmenwebsite, Analyse und Erklärung inklusive | 500 bis 1.000 Euro |
Ein Handwerksbetrieb liest, dass allein die Analyse 1.000 Euro kostet, und rechnet sich aus: okay, dann ist das Ganze fünfstellig, das lasse ich. Und legt das Thema weg. Bei einer Firmenwebsite dieser Größe liegt die ganze Umsetzung aber in der Größenordnung, die anderswo die Bestandsaufnahme kostet. Das liegt am Umfang, nicht daran, dass wir billiger arbeiten.
Unsere 30 Nachrüstungen seit April 2025 lagen zwischen 10 und 80 Stunden. Die 10 Stunden, das war eine Landingpage mit einer Seite. Die 80 Stunden, das war eine Website mit 30 Unterseiten, vielen Bildern und mehreren Formularen. Wo Ihre Website liegt, sehen wir nach einer halben Stunde am Bildschirm.
So läuft es bei uns: eine halbe Stunde Gespräch, in der wir zuerst klären, ob Sie überhaupt verpflichtet sind. Dann eine Fundliste mit Aufwandsschätzung, dann die Umsetzung, meistens innerhalb einer Woche. Danach bleibt die Website in der laufenden WordPress-Betreuung, weil neue Bilder ohne Alternativtext die erste Barriere sind, die nach drei Monaten wieder da ist. Wenn Sie ohnehin über eine neue Website nachdenken: Bei einer neuen Website kostet Barrierefreiheit fast nichts extra, weil wir sie von Anfang an so bauen. Und wenn Sie wissen wollen, was eine Website insgesamt kostet, steht das in einem eigenen Beitrag.
Die häufigsten Barrieren auf WordPress-Websites: was wir in 30 Nachrüstungen fanden
In 30 WordPress-Websites, die MP-Webdesign zwischen April 2025 und August 2026 nachgerüstet hat, fehlten bei 24 bis 27 von 30 die Alternativtexte für Bilder, also bei 80 bis 90 Prozent. Das war mit Abstand die häufigste Barriere.
Geprüft haben wir mit WAVE und Lighthouse, dazu von Hand per Tastatur. Die Websites reichten von einer Landingpage bis 30 Unterseiten, alle 30 waren mit Divi gebaut.
Alternativtexte fehlen fast überall, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Niemand hat je gesagt, dass man sie braucht. Die Bilder werden hochgeladen, sehen gut aus, fertig. Ein Screenreader liest dann „IMG_4021.jpg“ vor. Oder gar nichts.
Die anderen Barrieren kamen in wechselnder Reihenfolge, aber es waren fast immer dieselben. Die Tabelle zeigt, wer sie beheben kann und was das ungefähr kostet.
| Barriere | Wer kann es beheben | Aufwand |
|---|---|---|
| Bilder ohne Alternativtext, bei 24 bis 27 von 30 Websites. | Sie selbst oder Ihr Redakteur, in der Mediathek. | Eine bis drei Minuten pro Bild, bei 200 Bildern ein Nachmittag. |
| Der Kontrast zwischen Text und Hintergrund liegt unter 4,5:1, meist bei hellgrauem Text oder Text auf Fotos. | Entwickler, zentral im Theme. | Ein bis zwei Stunden, wenn die Farben zentral gesetzt sind. |
| Die Überschriften-Struktur springt, z.B. von H1 auf H4, weil Überschriften nach Größe gewählt wurden. | Redakteur im Editor, bei vielen Seiten Entwickler. | Zehn Minuten pro Seite. |
| Der Tastaturfokus ist unsichtbar, man sieht beim Tabben nicht, wo man ist. | Entwickler, ein paar Zeilen CSS. | Eine Stunde. |
| Formularfelder haben keine Beschriftung, nur einen Platzhaltertext, der beim Tippen verschwindet. | Entwickler, je nach Formular-Plugin. | Eine bis drei Stunden pro Formular. |
| Das Mobilmenü oder ein Slider lässt sich nicht per Tastatur bedienen. | Entwickler. | Zwei bis acht Stunden, Slider sind die Zeitfresser. |
| Links heißen „hier“ oder „mehr“, ohne dass man weiß, wohin sie führen. | Redakteur. | Fünf Minuten pro Seite. |
Die Aufwände sind Erfahrungswerte aus den 30 Websites, keine Festpreise. Bei einem Slider kann es auch mal ein ganzer Tag werden, wenn das Plugin dafür einfach nicht gebaut ist. Dann ist es oft billiger, den Slider durch ein Bild zu ersetzen. Das sagen wir dem Kunden auch so.
Videos und PDFs sind ein eigener Fall
Ein Video braucht Untertitel, ein PDF braucht eine Struktur, die ein Screenreader lesen kann. Beides ist Arbeit, die mit WordPress nichts zu tun hat. Für Videos reicht in der Regel die automatische Untertitel-Funktion von YouTube plus eine halbe Stunde Korrektur. Bei PDFs ist die Antwort: Wenn der Inhalt auch als normale Seite geht, machen Sie eine normale Seite daraus. Ein barrierefreies PDF nachträglich zu bauen kostet mehr als die Seite. Aufgezeichnete Videos, die vor dem 28. Juni 2025 veröffentlicht wurden, sind vom Gesetz ausgenommen.
WordPress-Website auf Barrieren prüfen: 4 Tests und 2 Plugins
Drücken Sie die Tabulatortaste, bis der Fokus einmal durch die gesamte Seite gelaufen ist. Jeder Link und jeder Button muss dabei sichtbar markiert sein. Dieser Test findet zusammen mit einem Kontrast-Rechner, einem Screenreader und einem WAVE-Scan den größten Teil der Barrieren.
Die vier Tests dauern zusammen eine halbe Stunde, und Sie brauchen dafür keinen Entwickler.
- Legen Sie die Maus weg und drücken Sie die Tabulatortaste, bis Sie einmal durch die ganze Startseite sind. Wenn Sie irgendwann nicht mehr sehen, wo Sie gerade sind, dann ist der Fokus unsichtbar. Wenn das Menü aufklappt und Sie kommen nicht rein, dann ist das Menü nicht bedienbar.
- Öffnen Sie den Kontrast-Rechner von WebAIM, geben Sie Ihre Textfarbe und Ihre Hintergrundfarbe ein. Unter 4,5:1 fällt der Test durch. Prüfen Sie vor allem den grauen Kleintext und Text auf Bildern.
- Schalten Sie einen Screenreader ein, auf dem Mac VoiceOver mit Cmd+F5, unter Windows das kostenlose NVDA. Lassen Sie sich die Startseite vorlesen. Sie hören sofort, welche Bilder keinen Text haben und ob die Überschriften in der richtigen Reihenfolge kommen.
- Rufen Sie wave.webaim.org auf und geben Sie Ihre Adresse ein. WAVE markiert fehlende Alternativtexte, Kontrastfehler und leere Links direkt auf der Seite. Was rot ist, ist ein Fehler. Was gelb ist, sollten Sie sich ansehen.
Kein Tool allein findet alles. WAVE sieht nicht, ob ein Alternativtext sinnvoll ist, es sieht nur, ob einer da ist. Und der Tastaturtest findet Sachen, die keine Software findet.
Zwei Plugins und die beiden Online-Tools von WebAIM helfen bei der laufenden Kontrolle. Accessibility Checker von Equalize Digital prüft jede Seite direkt im WordPress-Editor beim Speichern und zeigt die Fehler an, in der kostenlosen Version für einzelne Seiten. WP Accessibility repariert einige Theme-Probleme von selbst, z.B. fehlende Sprungmarken und unsichtbaren Fokus, und markiert Bilder ohne Alternativtext in der Mediathek. Beide Plugins finden Barrieren oder flicken kleine Stellen. Keins von beiden macht Ihre Website barrierefrei.
Und dann gibt es die Overlay-Plugins. Das sind die, die ein kleines Icon einblenden, hinter dem sich ein Menü für Kontrast und Schriftgröße öffnet. Die ändern am Quellcode der Website nichts. Fehlende Alternativtexte, falsche Überschriften-Struktur und nicht bedienbare Menüs bleiben bestehen, deshalb erfüllt ein Overlay allein die Anforderungen des BFSG nicht. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit rät von solchen Werkzeugen als alleiniger Lösung ab. In den USA hat die Handelsbehörde FTC ein Verfahren gegen einen Overlay-Anbieter wegen irreführender Werbeversprechen mit einer Zahlung von 1 Million US-Dollar beendet (FTC-Mitteilung). Wenn Ihnen also jemand sagt: hey, ein Plugin drauf, fünf Minuten, erledigt, dann hat er sich das Plugin nicht genau angeschaut.
WordPress barrierefrei machen: 3 Schritte in der richtigen Reihenfolge
Beginnen Sie zentral im Theme bei Kontrasten, Schriftgrößen und Fokus-Rahmen, dann bei den Inhalten mit Überschriften und Alternativtexten, zuletzt bei Formularen und Navigation. Die Erklärung zur Barrierefreiheit kommt als letzter Schritt, sie hat einen eigenen Abschnitt weiter unten.
Die Reihenfolge ist wie beim Renovieren: Erst wird die Wand gestrichen, dann kommen die Bilder dran. Wer andersrum anfängt, hängt alles zweimal auf. Und genauso ist es bei Ihrer Website auch. Der erste Schritt ändert an einer Stelle alle Seiten, der zweite ist Fleißarbeit Seite für Seite.
Schritt 1: Theme, alles Zentrale zuerst
Im Theme sitzen die Farben, die Schriftgrößen und das Verhalten beim Tabben. In Divi liegen die Farben unter Divi, Theme-Optionen, Allgemein, die Schriftgrößen unter Divi, Theme Customizer, Allgemeine Einstellungen, Typografie. Setzen Sie die Grundschrift auf mindestens 16 Pixel und gestalten Sie den Fließtext in einer Farbe, die gegen den Hintergrund 4,5:1 schafft. Ein dunkles Grau auf Weiß geht, ein helles nicht.
Den Fokus-Rahmen liefert Divi nicht sichtbar mit. Das sind vier Zeilen CSS unter Divi, Theme Customizer, Zusätzliches CSS, die jedem Link und Button beim Tabben einen Rahmen geben. Prüfen Sie danach, ob Zoom auf 200 Prozent noch funktioniert und nichts übereinander liegt.
Ein Satz zum Hosting, weil er dazugehört: Ladezeit ist Teil der Bedienbarkeit. Wenn eine Seite fünf Sekunden lädt, dann ist das für jemanden mit Screenreader doppelt lang, weil er warten muss, bis er überhaupt anfangen kann.
Schritt 2: Inhalte, Überschriften und Bilder
Öffnen Sie jede Seite und schauen Sie auf die Überschriften. Genau eine H1, danach H2 für Abschnitte, H3 für Unterpunkte, ohne Sprünge. In Divi steht die Ebene im Textmodul unter Design, Überschriftentext, oder im Überschriften-Modul unter Text, Ebene. Wer eine Überschrift kleiner haben will, ändert die Größe, nicht die Ebene.
Dann die Bilder. Medien, Mediathek, Bild anklicken, Feld „Alternativer Text“. Beschreiben Sie in einem Satz, was auf dem Bild ist: „Monteur schließt Wärmepumpe im Garten eines Einfamilienhauses an.“ Bei reinen Deko-Bildern bleibt das Feld leer, dann überspringt der Screenreader es. Das ist die Aufgabe, die Sie am besten selbst machen, weil Sie wissen, was auf den Bildern ist. Wir wissen das nicht.
Schritt 3: Formulare und Navigation
Jedes Formularfeld braucht eine sichtbare Beschriftung, die stehen bleibt, wenn man tippt. Ein Platzhalter im Feld reicht nicht. Das Divi-Kontaktformular zeigt von Haus aus nur Platzhalter, die Beschriftungen holen wir per CSS nach oben oder tauschen das Formular gegen ein Plugin, das Beschriftungen kann. Fehlermeldungen müssen als Text da stehen. Ein roter Rahmen allein hilft niemandem, der Rot nicht sieht.
Bei der Navigation prüfen Sie, ob Untermenüs per Tastatur aufgehen und ob das Mobilmenü sich mit der Tastatur öffnen und schließen lässt. Bei Divi war das in unseren 30 Nachrüstungen eine der drei Stellen, die wir jedes Mal von Hand nachgebaut haben. Bei Slidern ist die Frage: Braucht die Seite den Slider überhaupt, oder reicht ein Bild? Ein Bild ist in fünf Minuten barrierefrei, ein Slider selten.
Divi, Elementor, Block-Editor: was Themes und Page-Builder von Haus aus können
Der Block-Editor mit einem accessibility-ready-Theme liefert die beste Ausgangslage. Divi und Elementor sind nachrüstbar, verlangen aber Handarbeit bei Fokus-Rahmen, Menüs und Slidern.
Wir bauen seit Jahren mit Divi, unsere 300 betreuten Websites laufen etwa zur Hälfte auf Divi 4 und zur Hälfte auf Divi 5. Deshalb können wir zu Divi aus eigener Erfahrung sprechen. Zu Elementor und zum Block-Editor beschreiben wir, was die Hersteller angeben und was wir bei übernommenen Websites gesehen haben.
| Block-Editor mit accessibility-ready-Theme | Divi 4 und Divi 5 | Elementor | |
|---|---|---|---|
| Tastatur-Menü | Funktioniert mit den mitgelieferten Themes von Haus aus. | Das Mobilmenü mussten wir bei allen 30 Websites nacharbeiten, bei Divi 4 und Divi 5 gleichermaßen. | Laut Hersteller tastaturbedienbar, hängt am eingesetzten Menü-Widget. |
| Sichtbarer Fokus | Im Theme gesetzt. | Nicht sichtbar, kommt per CSS dazu. Bei Divi 5 unverändert. | Nicht zuverlässig sichtbar, meist per CSS. |
| Skip-Link zum Inhalt | Vorhanden. | Fehlt, kommt per Plugin oder Code. | Fehlt meist, kommt per Plugin oder Code. |
| ARIA-Attribute im Builder | Der Block-Editor setzt Rollen weitgehend selbst. | Divi 5 lässt eigene Attribute direkt im Modul setzen, Divi 4 nicht. | Über eigene Attribute im Widget möglich. |
| Überschriften-Ebene wählbar | Ja, pro Block. | Ja, pro Modul. | Ja, pro Widget. |
| Formular-Beschriftungen | Hängt am Formular-Plugin. | Das Divi-Formular zeigt nur Platzhalter, Beschriftungen kommen per CSS oder anderes Formular-Plugin. | Das Elementor-Formular kann Beschriftungen einblenden, muss aber eingestellt werden. |
| Slider | Kein Slider im Kern, gut so. | Slider-Modul ist per Tastatur schwer bedienbar. | Slider-Widgets ebenso, je nach Version. |
| Aufwand für die Nachrüstung | Am geringsten. | 10 bis 80 Stunden in unseren 30 Fällen. | Vergleichbar mit Divi, aus Herstellerangaben, nicht aus eigenen Nachrüstungen. |
Heißt für Sie: Wenn Sie eine neue Website erstellen lassen und Barrierefreiheit von Anfang an dabei sein soll, dann ist der Block-Editor der einfachste Weg. Wenn Sie eine Divi-Website haben, dann ist das kein Grund, sie wegzuwerfen. Die drei Stellen, die immer Arbeit machen, kennen wir, und die sind in einer Woche erledigt.
Erklärung zur Barrierefreiheit in WordPress einbauen
Was umgangssprachlich Erklärung zur Barrierefreiheit heißt, sind für private Anbieter die Angaben nach Anlage 3 BFSG. Die amtliche Erklärung nach BITV 2.0 gilt für Behörden. Private Anbieter veröffentlichen ihre Angaben an deutlich wahrnehmbarer Stelle, meist als eigene Seite im Footer-Menü, mit deutlich weniger Pflichtangaben als eine Behörde.
Der Unterschied ist wichtig, weil im Netz fast nur die Behördenvariante kursiert. Wer die amtliche Mustererklärung für Behörden in den Footer stellt, veröffentlicht Angaben, die für ihn gar nicht gelten, und macht sich damit angreifbarer als nötig.
| Öffentliche Stellen | Private Anbieter | |
|---|---|---|
| Grundlage | BITV 2.0 | Anlage 3 zu §§ 14 und 28 BFSG |
| Umfang | Umfangreicher Pflichtkatalog mit amtlichem Muster | Beschreibung der Dienstleistung, wie sie barrierefrei bedient wird, und Kontakt für Rückmeldungen |
| Ort | Eigene Seite, verlinkt von jeder Seite | In den AGB oder an deutlich wahrnehmbarer Stelle, meist Footer |
| Bezeichnung | Vorgegeben | Keine vorgeschrieben |
| Muss selbst barrierefrei sein | Ja | Ja |
In WordPress legen Sie dafür eine normale Seite an, z.B. „Barrierefreiheit“, und hängen sie ins Footer-Menü unter Design, Menüs, neben Impressum und Datenschutz. Wer den Footer in Divi über den Theme Builder gebaut hat, ergänzt den Link dort im Menü-Modul. Die Seite selbst hält sich an die eigenen Regeln: sauber strukturiert, guter Kontrast, keine Bilder ohne Text.
Bei unseren Nachrüstungen schreiben wir die Erklärung mit, die ist in den 500 bis 1.000 Euro drin. Wenn Sie nur die Erklärung brauchen, weil die Website schon barrierefrei ist, schreiben Sie uns kurz, das ist eine Sache von ein bis zwei Stunden.
Häufige Fragen
Ist WordPress barrierefrei?
Der WordPress-Kern, also Adminbereich und mitgelieferte Themes, strebt die WCAG 2.2 AA an und wird darauf geprüft. Die fertige Website hängt vom Theme, vom Page-Builder und von den Inhalten ab. Eine WordPress-Website kann barrierefrei sein, ist es aber nicht automatisch.
Muss meine WordPress-Website barrierefrei sein?
Seit dem 28. Juni 2025 dann, wenn Sie Verbrauchern online Verträge, Buchungen oder Bestellungen anbieten. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Eine reine Imageseite ohne Buchung fällt nicht darunter.
Was kostet es, eine WordPress-Website barrierefrei zu machen?
Bei MP-Webdesign kostet die Nachrüstung einer kleinen Firmenwebsite mit 10 bis 20 Unterseiten 500 bis 1.000 Euro und dauert etwa eine Woche. Mit Shop oder Buchungsstrecke liegt sie über 2.000 Euro. In 30 Nachrüstungen lag der Aufwand zwischen 10 und 80 Stunden.
Gibt es ein kostenloses WordPress-Plugin für Barrierefreiheit?
Ja, zum Prüfen: WP Accessibility und Accessibility Checker von Equalize Digital sind in der Grundversion kostenlos. Sie finden Barrieren und flicken kleine Stellen. Kein Plugin macht eine Website allein barrierefrei, die Alternativtexte, Kontraste und Menüs müssen Sie oder ein Entwickler anfassen.
Ist Divi barrierefrei?
Divi lässt sich barrierefrei machen, ist es aber nicht von Haus aus. In unseren 30 Nachrüstungen mussten wir bei Divi 4 wie bei Divi 5 dieselben drei Stellen nacharbeiten: das Mobilmenü, die Formular-Beschriftungen und den sichtbaren Tastaturfokus. Divi 5 erlaubt zusätzlich eigene ARIA-Attribute direkt im Modul.
Ist WooCommerce barrierefrei?
Das Grundgerüst von WooCommerce ist tastaturbedienbar und sauber strukturiert. Die Baustellen sind die Formulare im Checkout, die Produktbilder ohne Alternativtext und Filter oder Slider aus dem Theme. Ein Shop ist deshalb fast immer der teurere Fall, über 2.000 Euro.
Welche WCAG-Version gilt für das BFSG?
Das BFSG verweist über die europäische Norm EN 301 549 auf die WCAG 2.1 auf Stufe AA. Die WCAG 2.2 ist schon veröffentlicht und soll in die Norm nachgezogen werden. Wer heute nach 2.2 arbeitet, erfüllt 2.1 mit.
Was passiert, wenn ich das BFSG nicht umsetze?
Die Marktüberwachungsbehörde Ihres Bundeslands kann prüfen, Nachbesserung anordnen und Bußgelder bis zu 100.000 Euro verhängen, geregelt in § 37 BFSG. Verbände dürfen Verstöße melden. Uns ist bisher kein Bußgeld gegen eine kleine Firmenwebsite bekannt.
Nächster Schritt
Wenn Sie nach dem Lesen nicht sicher sind, ob Ihr Betrieb betroffen ist, dann ist das genau die halbe Stunde, die wir am Anfang immer investieren. Wir sitzen in Dresden (Webdesign Dresden), arbeiten aber für Kunden in ganz Deutschland, und die Prüfung geht am Bildschirm. Manchmal ist die Antwort danach: Sie müssen nichts machen.